Wie flexibel kann Pflege?
Eine Kampfansage an den Pflegenotstand

„KI-getriebener Paradigmenwechsel durch mitarbeiterzentrische Schicht- und Dienstplanung zur Verringerung des Pflegenotstands“ oder einfacher ausgedrückt: Weg von den starren und kompromisslosen Schichtsystemen in der Pflege, hin zu flexiblen, variablen Einsatzplänen, die aus den Verfügbarkeiten, Wünschen und kurzfristigen Notwendigkeiten der Mitarbeiter heraus automatisch errechnet werden. Das ist das Ziel von „KI-Para-Mi“. Zusammen mit dem Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) hat Planerio das Forschungsprojekt Anfang 2020 ins Leben gerufen – für mehr Flexibilität und Zufriedenheit in der Pflegebranche.

Der Personalmangel in der Pflegebranche nimmt seit Jahren drastisch zu. Nur durchschnittlich acht Jahre übt eine Pflegekraft ihren Beruf aus1. Gründe sind unter anderem die zu starren Schichtsysteme, die Mitarbeitern weder eine Vereinbarung von Familie und Beruf noch kurzfristige Änderungen ihres Dienstplans ermöglichen. „Unflexible Dienstplanstrukturen erschweren einen sanften Wiedereinstieg in den Beruf, z.B. nach Elternzeit, und sorgen dafür, dass sich viele ausgebildete Fachkräfte aus dem Beruf verabschieden“, so Dr. Melanie Erhard, Projektleiterin bei Planerio. „Um zu verhindern, dass sich die aktuelle Situation des Pflegenotstandes in den nächsten Jahren noch verschlimmert, ist ein komplettes Umdenken gefordert.“

MITARBEITER IM FOKUS DER DIGITALISIERUNG

An diesem Punkt setzt Planerio an. Bereits heute ermöglicht die Dienstplanungs-Software mithilfe eines intelligenten Algorithmus eine automatische und agile Personaleinsatzplanung für Praxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Mit umfangreichen, mitarbeiterzentrischen Funktionen, wie z.B. dem Eintragen von Dienstwünschen oder Beantragen von Urlauben über eine Smartphone App, stellt die Software erstmals die Bedürfnisse der Mitarbeiter im Gesundheitswesen in den Fokus der Digitalisierung.

KI-GETRIEBENER PARADIGMENWECHSEL

Zusammen mit dem DFKI plant Planerio den bestehenden Algorithmus durch Methoden der Künstlichen Intelligenz, wie beispielsweise Maschinelles Lernen, weiter zu optimieren. „Wir möchten langfristig eine mobile Plattform schaffen, die die tagesaktuelle Verfügbarkeit der Mitarbeiter in einen automatischen Planungsprozess integriert“, erklärt Dr. Erhard. „Die daraus resultierenden Einsatzpläne sowie Schichtzeiten basieren somit ausschließlich auf den individuellen Bedürfnissen der Mitarbeiter und werden flexibel nach den tagesaktuellen Verfügbarkeiten errechnet.“

WIE FLEXIBEL DARF ES SEIN?

Doch was bedeutet „flexibel“ genau? Und welche Arten von Flexibilität sind für die Dienstplanung in der Pflege überhaupt umsetzbar, wenn gleichzeitig gesetzliche Regelungen erfüllt und eine optimale Behandlung der Patienten gewährleistet werden müssen? Um diese Fragestellungen realistisch beantworten zu können, arbeitet KI-Para-Mi mit zwei Praxispartnern aus der Pflege zusammen. „Uns ist wichtig, von den Pflegemitarbeitern selbst zu erfahren, was Flexibilität für sie bedeutet – und welche Form sie sich für ihr tägliches Arbeiten wünschen“, so Dr. Erhard. „Auf der anderen Seite interessiert uns, wie viel Flexibilität das Management wiederum gewähren kann, um eine optimale Versorgung der Patienten aufrechtzuerhalten.“ Anschließend wird im Rahmen des Projektes erforscht, inwieweit der Algorithmus diese Flexibilität mithilfe von Methoden der Künstlichen Intelligenz lernen kann, um diese täglich in den individuelle Dienstplänen umzusetzen.

Das Forschungsprojekt läuft voraussichtlich bis Frühjahr 2022. Dann sollen die Ergebnisse so schnell wie möglich in der Praxis erprobt werden – und zu mehr Flexibilität und Zufriedenheit in der Pflegebranche beitragen.

1 Dbfk: Manifest der Pflegeberufe, http://www.dbfk.de/manifest/der-hintergrund/; abgerufen am 26.11.2020   

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